Ein Roman, wo Liebe keine Grenzen kennt.
Der Inbegriff von Freundschaft enorm groß geschrieben wird

und Menschen über sich hinauswachsen! 

Die Schwellenzeitsaga "aus dem Buch Schwellenzeit-Threshold Time"

Die Leseprobe

Prolog:

 

Mein Mobiltelefon steckte ich in die Hosentasche, so war ich für Sam erreichbar, außerdem benötigte ich es, um während des Laufens Musik hören zu können. Ich setzte die Kopfhörer auf, suchte nach einer geeigneten Playlist und sprintete los. Mühelos fand ich den Weg durch den Wald, es gab nur einen Pfad, der zum Haus der O’Briens führte, und derselbe führte auch wieder auf die Straße hinaus. Ich lief immer tiefer in den Wald hinein, und es wurde auch anhaltend düsterer, obwohl es helllichter Tag war, aber hier war der Forst ziemlich dicht. Ich erinnerte mich daran, wie ich mit Trahern hoch oben in den Bäumen saß; von dort aus gesehen empfand ich ein befreiendes Gefühl, von hier unten war es schrecklich beängstigend. Eine Gänsehaut machte sich auf meinem Rücken breit; das Gefühl, als würde mich etwas verfolgen, kam wieder in mir hoch. Hastig nahm ich die Kopfhörer ab, drehte mich blitzartig um und sah ein schwarzes Gebilde hinter den Bäumen verschwinden. Im Unterholz knackte es kurzfristig, doch dann bewegte es sich fast lautlos über das Laub; ich konnte nur Abdrücke erkennen, die sich langsam wieder zurückbildeten. Die Anspannung in mir wuchs, meine Augen suchten verzweifelt den Wald ab, dabei drehte ich mich erschrocken im Kreis herum; wie angewurzelt blieb ich nun stehen, wieder hörte ich ein verdächtiges Knacken, dann funkelte mich ein Augenpaar an.

 

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Auszug aus dem Kapitel "Die Ungewissheit"

 

„Wo sind sie alle?“

 

„Sie leben nicht hier, Maire.“

 

Wenn sie nicht tot waren, wo steckten sie dann? Warum lebte Trahern in diesem gigantischen Herrenhaus völlig alleine? Bevor ich mich nach dem Verbleib ihrer erkundigen konnte, gestand er mir: „Meine Familie hat sich im Osten Irlands angesiedelt. Ich werde im Herbst am Trinity College studieren und mir in der Nähe von Dublin eine Wohnmöglichkeit suchen.“

 

„Oh, dann ist diese Villa hier so eine Art Sommerresidenz?“, versuchte ich mich zu orientieren. Er grinste spöttisch. „Hmm, als solches könnte man es auch bezeichnen.“ Jetzt wurde mir klar, dass ich noch nicht mal selbst wusste, wo in Irland ich mich befand! Ziemlich empört stieß ich hervor: „Würdest du mir bitte zur Abwechslung mal erklären, wo zum Teufel du mich hingeschleppt hast! Ich verbringe bereits einen Tag und eine Nacht hier und habe absolut keine Ahnung, wo ich gelandet bin.“ Gleichzeitig hätte ich mich für meinen Wutausbruch ohrfeigen können; was bildete ich mir eigentlich ein, er rettete mich, und ich zog hier so eine Nummer ab! „Entschuldige bitte“, sagte er nun verwirrt. „Es tut mir aufrichtig leid, dich so im Ungewissen gelassen zu haben!“ „So habe ich das nicht gemeint“, konterte ich kopflos. „Nein, du hast völlig recht, es würde mich auch zur Raserei bringen, wüsste ich nicht, wo ich wäre, und es würde mich genau so verunsichern wie jetzt dich“, entgegnete er entschuldigend. „Ist es ein geheimer Ort?“ Alles hier wirkte so überhaupt nicht real, es kam mir vor, als erlebte ich gerade einen Trip in die Vergangenheit, als wäre hier die Zeit stehen geblieben. Trahern bemerkte meine Verwirrtheit. Er nahm meine Hand, legte sie an seine Brust. „Kein geheimer Ort, aber ein sicherer Ort für dich, Maire. Nachdem du jedoch bestimmt Verpflichtungen hast, habe ich kein Recht, dich hier noch länger festzuhalten“, sagte er nun mit fester Stimme. Ich erschrak. Wollte er mich jetzt loswerden? Bestimmt wurde ich ihm schon lästig. Natürlich, wie konnte ich so dumm sein, zu glauben, dieser gut aussehende Mann könnte ausgerechnet an mir interessiert sein! Er hatte bestimmt eine Freundin, die umwerfend aussah und die im nächsten Augenblick durch das prächtige Portal kommen würde! Plötzlich strahlte er über das ganze Gesicht. „Aber ich würde mich freuen, wenn du wiederkommen würdest. Dann solltest du allerdings den Weg hierher kennen, den Weg nach Blasket Island.“ Die Erkenntnis warf mich fast um, ich war also auf der Insel gelandet, von der aus meine Großeltern nach Mitteleuropa ausgewandert waren.

 

Auszug aus dem Pressetext:


"Du hast die Wahl, zwischen Jenseits und Diesseits zu wechseln, ohne gezwungen zu sein, die Schwellenzeit abzuwarten..."

 

Voller Abenteuerlust verlässt Maire O´Neill ihr geliebtes Kaltenbachtal in Österreich und bricht auf nach Irland. Sie möchte ihr in Wien begonnenes Literaturstudium am Trinity College fortsetzen und gleichzeitig die Wurzeln ihrer Großeltern ergründen, bei denen sie von klein auf gelebt hat.

 

Während der stürmischen Überfahrt nach Blasket Island kentert Maires Boot. Trahern O´Brien, Sohn eines alteingesessenen Adelsgeschlecht, rettet sie aus der Not und bringt sie in sein Herrenhaus. Es ist Liebe auf den ersten Blick. Doch für Maire wird Blasket Island zur Geisterinsel. Ein unerklärlicher Albtraum verfolgt sie, ein unheimliches Wesen mit blutroten Augen stellt ihr nach.

 

Der eigentliche Mythos aber ist Trahern, ein Dämon gestorben 1616, wie er sich ihr offenbart. Die mächtige Herrschaftsfamilie der Tudoren, deren Gesetze alle Dämonen unterstehen, billigt die Verbindung Traherns zu einem Menschen nicht. Im Nu sind sie Maire auf den Fersen. Und als wäre dies nicht genug, entpuppt sich Sam, Maires bester Freund und Kommilitone am College, als Traherns ärgster Nebenbuhler. Die Beziehung der beiden Verliebten droht unter den Belastungen zu scheitern.

Wird Maires einundzwanzigster Geburtstag die große, alles rettende Überraschung bringen?  

Leseprobe aus dem Roman: "Dämonen küssen verboten"

 

Rückkehr auf die Grüne Insel

 

(aus Maires Sicht)

 

 

 

Prolog

 

 

 

Mit einem Schlag hatte mich die beängstigende Realität wieder eingeholt. Nun galt es, hier unbeschadet wieder herauszukommen. Das war mein oberstes Gebot. Traherns Hand verschränkte sich mit meiner, seine Kraft war unermesslich, sodass es schon schmerzte. Er reagierte immer fahriger, was sonst gar nicht seine Art war. Nervenschwäche warf er immer gerne anderen vor, aber sich selbst bestimmt nicht. Die Gefahr, der ich mich hier aussetzte, musste wohl bedeutend schlimmer sein, als ich es anzunehmen vermochte.

 

„Verflucht!“, stieß Trahern gereizt aus. „Wir laufen ihnen direkt in die Arme!“ Verzweiflung machte sich in mir breit, ich verlor aber kein Wort, denn ich wollte ihn nicht noch mehr beunruhigen.

 

Wir glitten jetzt durch einen ziemlich engen Gang, als plötzlich eine schmale Öffnung aufging. Kurzfristig erschrak ich, bis ich Aignais an ihrer Gestalt erkannte, sie war uns offensichtlich unauffällig gefolgt.

 

„Los, worauf wartet ihr? Schnell, kommt rein!“ Blitzschnell schlüpften wir durch den Spalt.

 

Mit einem Ruck zog sie die Tür zu. Wir waren jetzt in einem noch engeren Schacht in der Außenwand des riesigen Anwesens der Tudoren, der langsam in einen unterirdischen Bereich führte.

 

Ich umarmte sie.

 

„Dich schickt der Himmel, Aignais!“

 

Sie kicherte ironisch.

 

„Ich habe dir doch gesagt, dass du mich so schnell nicht los wirst.“

 

Wir folgten nun dem Pfad, bis wir einen Ausstieg erreichten. Danach wandelten wir wieder in völliger Dunkelheit, bis mich plötzlich eine Hand an der Schulter packte.

 

Ich schrie auf. Trahern und Aignais wirbelten herum. Zwei der Wächter hatten mich aufgespürt. In dieser Dunkelheit konnte ich sie aber nicht sehen.

 

Angsterfüllt ergriff ich mein Amulett. Der Rubinstein leuchtete auf wie nie zuvor. Jetzt tauchten die Schattengestalten direkt vor mir auf. Ich schluckte. Mein Körper begann zu beben und ich hatte mich nicht mehr unter Kontrolle. Sie hatten es auf meine menschliche Seele abgesehen, davon war ich überzeugt. Hier noch lebend herauszukommen, würde nur mehr an ein Wunder grenzen, dachte ich, dabei lief mir ein eiskalter Schauer über den Rücken. Wieder war ich einer Gefahr ausgesetzt, die ich mir, wie immer, selbst eingebrockt hatte. Trahern hatte mich gewarnt, aber ich wollte ja nicht auf ihn hören. Wie einen rettenden Strohhalm erfasste ich mein Schutzamulett, was die Wächter vor mir zurückschrecken ließ. Mit einem lauten Grollen stürzte sich der eine Wächter auf Trahern, während der andere sich auf Aignais konzentrierte. Sie lieferten sich ein erbittertes Gefecht, und ich wusste auch, warum. Ich war als Mensch in die verbotenen Sphären der Tudoren eingedrungen, und daher galt es, mich so schnell wie möglich zu vernichten. Doch bevor sie mir meine menschliche Seele rauben könnten, indem sie meinen Körper töteten, mussten sie erst einmal Trahern und Aignais besiegen. Trahern würde nicht so schnell aufgeben, er würde bis zum bitteren Ende kämpfen, das stand fest. Blieb nur zu wünschen übrig, dass die O´Briens hier die Oberhand behielten. Wieder und wieder wurde Trahern von den Wächtern zu Boden gerissen, doch wie sollte dieser Kampf jemals ausgehen? Wer war hier der wahre Gewinner und wer der Verlierer? Und was genau würde Trahern oder Aignais erwarten, wenn sie den Kampfschauplatz als Verlierer verlassen würden? Ich wusste es nicht. Unermüdlich und verbissen attackierten Aignais und Trahern die beiden Wächter. Diese wiederum setzten sich immer wieder erfolgreich zur Wehr und versuchten, mich, den Eindringling, zu vernichten. Ängstlich kauerte ich in einer feuchten, dunklen Ecke und hoffte, dass der Kampf bald vorbei wäre. Ich konnte nur darauf zählen, dass weder Darius noch seine Gefolgsleute davon Wind bekamen, denn dann wären wir erledigt. Noch behielten Trahern und Aignais die Oberhand. Trotzdem zitterte ich am ganzen Körper. Mein Herz klopfte mir bis zum Hals. Panik machte sich in mir breit und ich hatte eine Höllenangst. Was wäre, wenn sie Trahern und Aignais überwältigten? Sollte ich ein Stoßgebet gegen diese Gemäuer schicken? Würde uns denn Gott überhaupt beistehen wollen? Doch im Moment klammerte ich mich an jede Hoffnung, die uns in irgendeiner Weise aus dieser aussichtslosen Situation herausführen würde. Noch bevor ich diesen Gedanken zu Ende denken konnte, wurde ich ziemlich heftig zu Boden geschlagen, sodass ich in die gegenüberliegende Ecke geschleudert wurde. Mein Kopf schmerzte, mein Körper fühlte sich an, als hätte man mich geradewegs von einer Folterbank gezerrt. Um mich herum drehte sich alles. Als ich allmählich wieder zu mir kam, war Trahern gerade dabei, meine Angreifer mit ein paar gezielten Stößen in Schach zu halten. Wenngleich sie das nicht davon abhielt, mich weiter zu malträtieren. Mit allen Mitteln, die ihm zur Verfügung standen, versuchte Trahern, sie an die Wand zu spielen, bevor mich einer dieser gleißenden Lichtstrahlen, die sich aus ihren blutroten Augen ergossen, hätte erfassen können, um sich erneut schmerzlich in meinen Körper zu bohren. In seiner aufkeimenden Verzweiflung nahm ein kleiner Teil seiner Seele mental mit mir Kontakt auf und vermittelte mir nachdrücklich, ich solle mich in einem günstigen Moment aus dem Staub machen, während der andere Teil sich weiterhin auf den Kampf konzentrierte. Doch wie um alles in der Welt sollte ich das zustande bringen? Ich war verletzt, mein Körper schmerzte, ich konnte mich kaum bewegen. Wie in Trance richtete ich mich langsam auf und versuchte aufzustehen.

 

Im nächsten Augenblick wurde Trahern von seinem Widersacher wieder zu Boden geschleudert. Ich hatte keine Ahnung, ob und wie man einen Dämon vernichten könnte. Trahern und ich hatten nie über dieses Thema gesprochen. Aber wie auch immer dieser Kampf ausgehen mochte, niemals würde ich ihn oder Aignais im Stich lassen! Irgendwie musste es mir gelingen, die beiden Wächter abzulenken. Sie in die Irre zu führen, sodass wir diesen unerträglichen Ort endlich gemeinsam verlassen könnten. Ich würde einen unüberwindbaren Schutzmantel tragen, hatte Professor Dillon mir prophezeit. Dieses Amulett hatte mich bis jetzt vor der Tötungsabsicht der Tudoren beschützt. Sie schreckten davor zurück, und nun wollte ich ihre Aufmerksamkeit auf mich lenken, sodass sie von Aignais und Trahern ablassen würden. Die Tudoren würden sich auf mich stürzen wollen, und Aignais und Trahern hätten vielleicht eine Chance, sie in diesem kurzen Moment irgendwie zu überwältigen. Vielleicht wäre das die einzige Möglichkeit für uns, zu entkommen.

 

Ich fasste all meinen Mut zusammen und riss mir das Amulett vom Hals, dann schleuderte ich es Trahern entgegen.

 

Das Amulett wirbelte durch die Luft und er bekam es, noch immer am Boden liegend, gerade noch mit einer Hand zu fassen, dabei riss er betroffen seine Augen auf. Panik war ihm ins Gesicht geschrieben. Was ich getan hatte, war für mich lebensgefährlich und höchst alarmierend. In dieser Sekunde befand ich mich in höchster Gefahr.

 

 

 

 

Auszug aus dem Kapitel 

Heiliger Abend im Kaltenbachtal

 

 

Er gab mir einen Kuss auf die Wange und drückte mich an sich. Trahern schüttelte er kräftig die Hand.

„Herzlich willkommen!“

„Danke, Sir“, entgegnete Trahern förmlich.

Großvater machte eine einladende Handbewegung.

„Kommt herein, macht es euch gemütlich, die Reise war sicher anstrengend.“

Trahern trug die Reisetasche ins Haus.

„Du kannst sie in Maires altem Zimmer abstellen.“ Wehmütig sah er mich an.

„Es ist noch immer alles genau so, wie du es verlassen hast.“

In diesem Moment kam Granny aus der Küche und streckte die Arme nach mir aus.

„Maire, mein Schatz, lass dich umarmen.“

Freudestrahlend empfing sie mich. Großvater sah kritisch aus dem Fenster, dann legte er ein paar Holzscheite in den Kamin.

„Langsam, aber sicher versinken wir in diesem Tal im Schnee.“

Vorsichtig legte ich ihm den Arm auf die Schulter.

„Dann musst du wieder zurück nach Irland gehen, dort musst du dich diesen Schneemassen nicht aussetzen.“

Untröstlich schüttelte er den Kopf.

„Bevor deine Granny wieder irischen Boden betreten würde, müsste erst ein Wunder geschehen.“

„Aha!“, entschlüpfte es mir. „Das soll also bedeuten, dass ich ständig zwischen Irland und dem Kaltenbachtal hin und her pendeln müsste, wenn ich euch sehen will.“

Großvater schürzte seine Lippen.

„Wir sind nicht mehr die Jüngsten, mein Kind.“

Sein Blick war ernst und bestimmend.

Diese Äußerung versetzte mir einen Schlag ins Gesicht. Natürlich nicht!, dachte ich. Kein Mensch würde ewig leben, doch der Gedanke daran, dass ich Großvater und Granny einmal verlieren könnte, schmerzte mich zutiefst.

Trahern spürte meine Emotionen und legte den Arm um mich. Er wusste ausnahmslos, wie es in meinem Inneren aussah, er selbst hatte in den vierhundert Jahren, die er ein Dämon war, genug Schmerz erleiden müssen.

Zwischen uns bedurfte es keiner Worte mehr, längst wussten wir, wie der andere fühlte oder dachte.

Granny fasste nach hinten, um sich die Taillenbänder der Küchenschürze aufzuziehen.

„Wollt ihr jetzt am Christfest Grundsatzdiskussionen führen? Noch weilen wir unter den Lebenden, und das wird auch noch lange so bleiben“, sagte sie mit fester Stimme.

Großvater versuchte, das Thema zu wechseln.

„Wir erwarten heute noch einen Überraschungsbesuch.“

Ich kräuselte meine Lippen.

Überraschungsbesuch?“, sagte ich missbilligend.

„Du meinst wohl Vater, wenn er nicht gerade wieder einmal in der Erde buddelt und auf Weihnachten völlig vergessen hat.“

Ich hatte immer nur ein Bild von meinem Vater vor Augen. Er, bei gleißender Hitze mit Handschuhen und Arbeitsgewand kniend am Boden, um mit Pinsel und Spitzkelle die Funde von Erdkrümeln freizulegen.

Großvater lachte schelmisch.

„Nein, ihn habe ich damit nicht gemeint.“

Er legte bewusst eine kurze Pause ein, bevor er weitersprach, um meine Neugierde zu wecken.

„Tante Megan wird uns mit ihrer Anwesenheit beehren.“

Ich starrte ihn ungläubig an, meine Augen begannen, vor Freude zu leuchten.

„Das nenne ich aber wirklich eine Sensation, wenn ich das gewusst hätte, hätte sie mit uns fliegen können.“

„Tja, meine Schwester steckt eben voller Überraschungen“, scherzte Granny, dabei wurden ihre Lachfältchen deutlich sichtbar.

Bald darauf klopfte es an die Eingangstür und Großvater öffnete.

„Wenn man vom Teufel spricht!“

Megan strahlte über ihr ganzes Gesicht.

„Großartig, das ist ein Empfang an Weihnachten!“

Sie reichte ihm ihre Reisetasche und begrüßte ihn überschwänglich.

"Oh, William, wie lange ist das her, dass wir uns gesehen haben?“

Granny löste ihn ab. „Zu lange Megan, viel zu lange!“ Dann wandte Megan sich an uns:

„Maire, Trahern, freut mich, euch auf Kaltenbachtalboden zu treffen! So sind wir alle wieder einmal vereint.“

Sie küsste mich auf die Wange und schüttelte Trahern mit einem geheimnisvollen Blick die Hand.

„Und was sagen Sie zu diesem scheußlichen Wetter hier? Da verlangt es einem doch nach dem milden Klima in Irland. Oder etwa nicht?“

Trahern kicherte vor sich hin.

„Die Kälte hier ist wirklich enorm.“

Dabei warf er ihr einen für mein Dafürhalten zu vertrauensseligen Blick zu. Was hatte das zu bedeuten?

Beleidigt wandte sich Granny an Megan.

„Nun, du bekommst unser Kind jetzt mehr zu Gesicht als wir.“

Megan schnitt ihr das Wort ab:

„Selbst schuld, Hannah, wärst du in Irland geblieben!“ Rasch wechselte sie das Thema, um nicht auf dem wunden Punkt herumzureiten.

„Kann ich dir zur Hand gehen, Hannah?“

Kurz darauf verschwanden beide im Wohnzimmer.

Der Hirschbraten, den Granny zubereitet hatte, schmorte bereits im Backrohr und roch köstlich, dazu würde sie sicher wieder ihre berühmten Kartoffelknödel und das Blaukraut servieren.

Großvater ergriff nun das Wort:

„Selbst wenn dein Vater sich wieder verspätet, werden wir trotzdem mit der Bescherung beginnen, so nach dem Motto: „Wer nicht kommt zur rechten Zeit, der muss warten, was übrig bleibt.“

Damit zitierte er die Aufschrift eines Wandtellers, der über dem Esstisch hing und den er auf einer seiner Auktionen erstanden hatte.

In diesem Augenblick drückte jemand die Klinke. Es war mein Vater, Seán.

„Wünsche allseits einen Guten Abend!“

Großvater lachte.

„Hat es dich wieder einmal ins Kaltenbachtal verschlagen? Gibt es in Mexiko nichts mehr auszugraben, oder wo in der Weltgeschichte treibst du dich gerade herum?“

„Nun ja, nachdem dort die Kultur der Azteken zu finden ist, würde ich sagen, Mexiko kommt dem schon ziemlich nahe.“

Die beiden begrüßten sich mit Handschlag. Vaters Blick schweifte ab zu mir, er lächelte verlegen und stolz zugleich, dann kam er auf mich zu. Trahern nahm einen angemessenen Abstand zu uns ein.

„Maire!“ Er musterte mich von oben bis unten.

„Bist du wieder groß geworden - und so erwachsen!“

Er schüttelte den Kopf.

„Du wirst deiner Mutter immer ähnlicher, ich fasse es nicht! Beinahe hatte ich gedacht, sie stünde vor mir.“

Er starrte mich an. Ich starrte ihn an. Der Zorn war mir ins Gesicht geschrieben.

Bei dem Gedanken, er könnte mich für meine Mutter halten, verkrampfte sich mein Magen schlagartig.

Er selbst war es doch, der Schuld an ihrem Tod hatte!

Meine Miene verfinsterte sich zunehmend. Trahern richtete den Fokus seiner Gefühle ausschließlich auf mich und versetzte mir damit einen ziemlichen Stoß.

Großvater wurde sichtlich nervös. Gerade jetzt an Weihnachten die Bombe platzen zu lassen, wäre nicht gerade die feine irische Art gewesen. Vater näherte sich mir langsamen Schrittes.

Vorsichtig nahm er mich in den Arm und küsste mich auf die Stirn. Langsam, aber sicher legten sich meine Aggressionen wieder.

„Hallo Dad!“, entgegnete ich mechanisch.

Unterdessen trat er einen Schritt zurück und musterte mich nochmals. Dann seufzte er und griff sich an die Stirn.

„Es ist so lange her, dann wiederum erscheint es mir, als wäre es gestern gewesen. Ich habe wohl damals den größten Fehler meines Lebens gemacht. Aber jetzt ist es zu spät“, flüsterte er kaum hörbar.

Plötzlich empfand ich so etwas wie Mitleid für Seán, sagte aber kein Wort.

Völlig zerstreut gab er Trahern nun die Hand.

„Guten Abend! Seán O´Neill. Sehr angenehm.“

Trahern erwiderte seinen Gruß in aller Höflichkeit.

„Guten Abend, Sir! Trahern O`Brien.“

Ich wusste nicht, was einfacher gewesen wäre, Trahern und Sam oder Trahern und meinen Vater zusammenzubringen. Die beiden fanden sich offensichtlich dermaßen abstoßend, sie passten so überhaupt nicht zueinander. Obwohl sie beide Akademiker waren, aber das war wahrscheinlich ihre einzige Gemeinsamkeit, die sie hatten.

Großvater beobachtete das Begrüßungszeremoniell, dann strich er sich über den Bart und ließ eine seiner sarkastischen Bemerkungen auf meinen Vater los:

„Deine Tochter ist verlobt, Seán! Sie wurde inzwischen erwachsen, und du hast es nicht einmal bemerkt.“

Mein Vater sah mich geistesabwesend an.

„Verlobt? Ist das nicht etwas aus der Mode gekommen?“

Granny kam aus dem Wohnzimmer und verdrehte die Augen.

„Mein verlorener Sohn ist wieder einmal heimgekommen.“

Sie umarmte ihn ein wenig emotionslos.

„Mutter!“, sagte er noch immer etwas nachdenklich. Granny starrte ihn an.

„Tja, wenn man in die Familie der O´Briens einheiraten will, muss man sich eben vorher verloben.“

Seán dachte sichtlich angestrengt nach.

„O´Brien? Doch nicht etwa das Adelsgeschlecht auf Blasket Island?“

„Doch!“, sagte ich forsch.

Er lächelte geringschätzig.

„Die Aristokraten haben uns noch nie Glück gebracht.“

Er warf Großvater einen zynischen Blick zu.

„Ach, hör doch auf!“, entgegnete Granny streng.

„Das ist Schnee von gestern, was hat die Geschichte von damals mit diesen jungen Menschen hier zu tun!“

Schützend legte sie den Arm um mich. Seán setzte seinen geringschätzigen Blick auf. Genau denselben Blick musste er damals bei meiner Mutter auch gehabt haben, als er sie aus dem Haus jagte. Ich hasste ihn dafür.

„Darf man fragen, wann die Hochzeit stattfinden wird?“ Mit zusammengekniffenen Augen sah ich ihm entgegen.

„Am 30. April“, platzte es aus mir heraus, und im selben Augenblick hätte ich mir die Zunge abbeißen können. Was redete ich denn da für wirres Zeug?

Aber ich hatte so eine Wut im Bauch, dass mein rebellischer Mund schneller war, als mein Gehirn es erlaubte.

Nur zu gern hatte ich ihm jetzt die Meinung gegeigt.

Verstohlen sah ich Trahern an. Zu meinem Erstaunen strahlte er übers ganze Gesicht und zog mich entschlossen an seine Seite, daraufhin wandte er sich an meinen Vater.