Erschienen am 4. April 2018

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Leseprobe:

Prolog Maire & Trahern

  

Ich lag in meinem Himmelbett. Der Frühling war mittlerweile wieder ins Land eingezogen und die ersten Sonnenstrahlen weckten mich zart aus meinen Träumen.

„Gut geschlafen?“, drang Traherns sanfte Stimme an mein Ohr und er setzte sich kaum spürbar auf meine Bettkante.

Vorsichtig zog ich die Satinlaken von meinem Gesicht und sah ihn verschmitzt an.

„Du durchstöberst schon wieder meine gespaltene Seele. Eine Unverschämtheit!“, warf ich ihm sein, wie ich fand, flegelhaftes Verhalten vor.

Trahern lachte auf.

„Ist es meine Schuld, wenn du die ganze Nacht wie wild vor dich hinträumst?“

Erschrocken setzte ich mich auf und schaute ihn direkt an.

„Sag nicht, ich habe schon wieder laut im Schlaf gesprochen!“

Er schüttelte entschieden den Kopf.

„Nein, das nicht. Aber deine Gefühle sprechen Bände. Das sind zweifelsohne die aufregendsten Nächte, die ich seit vierhunderteinundzwanzig Jahren erlebe“, brachte er hervor.

Ich ließ mich zurück in die Kissen fallen und griff mir an die Stirn.

„Also unter aufregenden Nächten stelle ich mir etwas ganz anderes vor“, sagte ich ironisch.

Er rückte näher.

„Ja, ich weiß, du verfällst wieder einmal in deine menschliche Rolle“, erwiderte er trocken. Das klang nach einer Rüge.

„In meine menschliche Rolle? Dämonen haben also kein Verlangen nach körperlicher Liebe?“, fragte ich spöttisch und ließ meine Hand ins Kissen sinken.

Er lächelte verlegen.

„Womit wir wieder einmal beim Thema wären. Natürlich haben wir das. Überhaupt, wenn man so eine schöne Frau vor sich hat wie ich zum gegenwärtigen Zeitpunkt.“ Hoffnungsvoll setzte ich mich wieder auf, zog meine Beine unter der Decke an und umklammerte meine Knie mit den Armen. Dann legte ich den Kopf darauf, schielte zu ihm hinüber und seufzte.

„Nur dass sich diese Frau schon seit Monaten nach dir verzehrt.“

Er stieß einen leisen Laut aus.

„Es kommt mir so vor, als werde hier ein Vorwurf laut.“

„Nein, das ist ein unausweichlicher Tatbestand.“

Er schmunzelte.

„Ich glaube, Blasket Castle bekommt dir nicht gut. Wir werden uns wohl wieder zurück in die Realität begeben müssen.“

Ich hob meinen Kopf und funkelte ihn an.

„Untersteh dich! Oder ich ziehe das Eheversprechen wieder zurück.“

Jetzt blickte er mich mit Argusaugen an.

„Das will ich dir nicht geraten haben, Maire, denn Dämonen können äußerst nachtragend sein.“ Dabei küsste er mich auf die Wange.

Ich zog meine Mundwinkel nach oben.

„Die Tatsache, dass wir bald heiraten werden, hat sich in meiner Seele so tief verankert, dass ich schon selbst davon überzeugt bin“, sagte ich, unverfroren lachend.

„Du erweist mir damit die größte Ehre, Maire“, entgegnete er sanftmütig.

„Ich kann es noch immer nicht glauben.“

Nun schmiegte ich mich wieder in die Kissen und starrte die wuchtigen, aus Eichenholz gedrechselten Säulen an, die sich oben mit einer Eichenplatte zu einer Einheit zusammenfügten.

„Dass wir heiraten?“, fragte er vorsichtig. Ich sah ihn an.

„Nein, dass ich eine Halbdämonin bin.“

„Worauf ich sehr stolz bin.“

Mit diesen Worten berührte er sanft meine rosa Wange.